Das Problem der zunehmend heißen und sehr heißen Tage im Jahr.


Cottbus | In diesem Jahr fiel erstmals die 40 Grad Marke in der Region. Doch auch abseits dieser neuen Rekordmarke gab es erstaunlich viele Höchstwerte über 30 Grad. Auch die 35 Grad wurde mehrfach überschritten. Diese beschleunigte und auch in absoluten Zahlen zunehmende Zahl von Hitze- und Tropentage könnte zukünftig zu Problemen führen.

Alleine 2026 lag die Zahl der heißen Tage bei 26 und damit auf Platz 5 seit Aufzeichnungsbeginn. Nur in den Jahren 2006, 2015, 2019 und 2024 gab es noch mehr Tage über 30 Grad. Gleichzeitig bedeutet dieser Wert ein Plus von 12 Hitzetagen gegenüber dem Mittel von 1981 bis 2020.

Ähnliches ist bei den noch heißeren Tropentagen (Höchstwert 35 Grad oder mehr) zu beobachten. Hier gab es 2026 derer 6 und somit Platz 4. Mehr Tropentage in einem Jahr gab es nur 1994, 2015 und 2024. Der Mittelwert liegt hier bei 1,5 sehr heißen Tagen. In beiden Statistiken nehmen absolute und durchschnittliche Werte in einem äußerst, erschreckenden Tempo zu.

Gehen wir nochmal einen Schritt zurück und betrachten alle Tageshöchstwerte seit 1891 bis heute in einer Abbildung (Abb. 1). 2026 war gekennzeichnet von wiederholten Phasen mit viel zu hohen Temperaturen. Oft lagen die Höchstwerte am oberen Rand der möglichen Höchstwerte oder auch darüber. Ein passendes Beispiel bietet der Zeitraum vom 26. Februar bis 14. März. An diesen Tagen gab es Höchstwerte die 10 oder auch 12 Grad über den Mittelwerten lagen. Ähnlich hoch fielen die Höchstwerte um den 3. Mai, den 27. Mai, vom 18. Juni bis 28. Juni und nochmal vom 9. bis 10. August aus.

Die Abbildung zeigt jeden einzelnen Tageshöchstwert im Jahresverlauf. Die Tageshöchstwerte aus 2026 werden mit gelben Pluszeichen besonders hervor gehoben.

Abb. 1 Tageshöchstwerte im Jahresverlauf.

Wie könnte nun die Entwicklung von heißen und sehr heißen Tagen aussehen? In Abbildung 2 wird dies anhand der Summe, über die einzelnen Dekaden, demonstriert. Gab es in den Dekaden zwischen 1891 und 1990 immer Werte zwischen 50 und 100 heiße Tage, so stieg der Wert in den letzten Dekaden kontinuierlich an. Waren es im Zeitraum 1981 bis 1990 noch 99 Tage über 30 Grad, stieg die Zahl ein Jahrzehnt später auf 117. Noch einmal 10 Jahre weiter, im Zeitraum von 2001 bis 2010, dagegen schon 142. Den bisherigen Höhepunkt bildet das letzte Jahrzehnt (2011 bis 2020) mit insgesamt 202 Hitzetagen. Verglichen mit dem Zeitraum 1981 bis 1990 ist das ein Anstieg von 103 Hitzetagen oder ein Plus von 204 Prozent.

Wie geht es weiter? Auch die aktuelle Dekade von 2021 bis 2030 scheint an dem Trend festhalten zu wollen. Umgerechnet auf die momentane Dauer ergibt sich ein durchschnittlicher Wert von 21 Tagen heißen Tagen pro Jahr. Dies liegt jetzt schon höher als der Durchschnitt aus der letzten Dekade. Dort gab es statistisch gesehen, durchschnittlich 20,2 heiße Tage pro Jahr.

Balkendiagramm mit der Anzahl der Hitzetage als Summe der einzelnen Dekaden.

Abb. 2 Anzahl der Hitzetage als Summe der einzelnen Dekaden.

Noch dramatischer wird es, wenn die durchschnittliche Anzahl der Hitzetage auf zwei Zeiträume eingegrenzt wird. Für den Zeitraum von Aufzeichnungsbeginn bis 1990 gab es im Durchschnitt 8,1 Hitzetage pro Jahr. Anhand vieler weiterer Temperaturbeobachtungen wissen wir, dass sich das Klima in Cottbus und auch der Niederlausitz, ab Ende der 1980er Jahre, merklich verändert hat. Waren es vorher nur klassische Ausreißer in einer relativ konstanten Umgebung, sind es ab 1990 nun die langsam aber deutlich wahrnehmbaren Anstiege sämtlicher Durchschnittstemperaturen.

Für den Abschnitt von 1991 bis Heute zeigen die Auswertungen einen Wert von durchschnittlich 16,3 Hitzetagen pro Jahr. Statistisch gesehen ist dieser Wert aber schon wieder längst überholt. Wie oben beschrieben zeigt allein schon die letzte Dekade, also von 2011 bis 2020, einen Durchschnittswert von 20,2 Hitzetagen pro Jahr auf. So gesehen hat die Verdopplung dieses Wert schon fast gar kein Neuigkeitswert mehr, da es aktuell eher auf eine Verdreifachung hinausläuft.

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Balkendiagramm mit zwei Werten, durchschnittlicher Wert der Hitzetage aus zwei Zeitspannen.

Abb. 3 Durchschnittliche Anzahl der Hitzetage nach zwei Zeiträumen.

Zum Schluss des Beitrags betrachen wir die absolute Anzahl der Tropentage. Spielten Tage mit Höchstwerten über 35 Grad in den Jahren bis 1990 kaum eine Rolle, sind sie in den letzten Jahren förmlich explodiert. Mit anderen Worten, die Höchstwerte erreichen immer mehr und immer öfter Bereiche, die vor Jahrzehnten in diesem Ausmaß, nicht vorstellbar waren. Das aktuelle Jahr steht dafür exemplarisch. Noch schaffen es die heißen Luftmassen aus Südwesten nicht, sich dauerhaft auch in der Niederlausitz durchzusetzen. Es sind oft nur kurze aber dafür sehr heiße Hitzewellen. Ganz anders sieht es dagegen im Südwesten von Deutschland aus. Hier gab es Stationen an denen 60 oder mehr Hitzetage registriert wurden. Auch die Zahl der Tropentage (oder auch Wüstentage) stieg vielerorts über 20.

In Cottbus waren die Tage mit Höchstwerten über 35 Grad größtenteils reine Seltenheit. So gab es pro Jahrzehnt nur 1 bis 6 sehr heiße Tage. Und auch hier heißt das nicht, dass diese gleichmäßig verteilt waren. In dem meisten Jahren gab es diese Höchstwerte schlichtweg nicht! Ein Sommer war warm aber nur ganz selten so heiß. Das ändert sich aber spätestens ab den 1990er Jahren. Nun treten auch vermehrt Tage mit Höchstwerten über 35 Grad auf. Anfangs noch als Ausreißerjahre, später dann regelmäßig. Seit 2010 gab es nur noch zwei Jahre, in denen kein Höchstwert über 35 Grad mehr erreicht wurde (2011, 2017). In allen anderen Jahren dagegen mindestens einmal.

Nehmen wir wieder die bekannte Darstellung der einzelnen Jahrzehnte, so fällt auf, dass sich der Trend schrittweise auf Werte von über 15 Tropentage pro Dekade bewegt oder schon erreicht hat. Auf das aktuelle Jahrzehnt runter gerechnet, ergibt sich ein durchschnittlicher Wert von beeindruckenden 3,2 Tropentage pro Jahr. Für den Zeitraum von 2011 bis 2020 lag dieser Wert noch bei durchschnittlich 2,6 Tropentage pro Jahr.

Balkendiagramm mit der Anzahl der Tropentage als Summe, ausgegeben in den einzelnen Dekaden.

Abb. 4 Anzahl der Tropentage als Summe der einzelnen Dekaden.

Aus all den Beiträgen ergibt sich also, dass die Höchstwerte sowohl in absoluter Zahl als auch in durchschnittlicher Zahl, immer schneller zunehmen werden. Gleichzeitig werden die Abstände, in denen sich zum Beispiel die Anzahl der Hitzetage verdopplen, immer geringer. Auch bei der Zahl der sehr heißen Tage über 35 Grad ist der Trend eindeutig. Immer schneller, werden immer mehr Tropentage pro Jahrzehnt erreicht.

Problematisch wird diese Entwicklung vor allem für urbane Regionen. Hier sind es überwiegend die Städte, die mit noch höheren Temperaturen rechnen müssen. Durch die zunehmende Bebauung, Flächenversieglung und weniger Grünflächen in Zentren werden Abkühlungsorte immer wichtiger. Auch die Versorgung mit kostenlosem Wasser wird immer mehr zum Thema. Die Städte, als seit Jahren bekannte Hitzeinseln, müssen mit stadtplanerischen Mittel an das zukünftige, viel heißere Klima angepasst werden. Und das möglichst schnell und unter Verwendung von klimaneutralen Materialien.


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